Begegnungsstätte - Atlantis
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"In 100 Jahren ist der Homo sapiens ausgestorben"

vom 20.06.2010 | ckr     t-online.de

Erstmals prophezeit ein Wissenschaftler ganz konkret, was viele befürchten: Die Menschheit könnte vom Angesicht der Erde verschwinden - und das schon bald.

In Sachen Vernichtung ist Frank Fenner ein Experte: Durch den Einsatz des Myxoma-Virus’ besiegte der australische Nationalheld und Mikrobiologe in den 50er Jahren die Kaninchenplage auf dem fünften Kontinent. In den 60er Jahren war er an führender Stelle an der weltweiten Ausrottung der Pocken beteiligt.

Jetzt sieht der mittlerweile 95 Jahre alte Wissenschaftler für eine wesentlich höhere Lebensform schwarz: Das Kapitel "Menschheit", so ist Fenner überzeugt, habe sich in rund 100 Jahren erledigt. Verantwortlich sind laut Fenner "Bevölkerungsexplosion und ungezügelter Konsum".

"Die Situation ist unumkehrbar"

"Wir alle werden das gleiche Schicksal erleiden, wie die Bewohner der Osterinseln", prophezeite der Virologe in der vergangenen Woche dem "Australian". Die Eingeborenen der Hauptinsel Rapa Nui sollen durch die gedankenlose Abholzung des Waldes ihr blühendes pazifisches Eiland zum Ödland gemacht haben.

Der Klimawandel, so Fenner weiter, stehe erst am Anfang. "Doch schon jetzt sehen wir auffallende Veränderungen beim Wetter." "In vielleicht hundert Jahren ist der Homo sapiens ausgestorben", glaubt der Wissenschaftler. "Für viele andere Tiere gilt das gleiche. Die Situation ist unumkehrbar. Ich glaube, es ist zu spät", urteilt der greise Gelehrte.

Bevölkerungsexplosion und gescheiterte Klimakonferenzen

Versuche zur Schadensbegrenzung könnten die Entwicklung lediglich bremsen. Doch die Weltbevölkerung sei bereits zu stark gewachsen. "Die Menschheit wird den selben Weg gehen, wie viele Spezies, deren Verschwinden wir beobachtet haben", ist Fenner überzeugt.

Nur der Pessimismus eines alten Mannes? Laut UN-Schätzungen wird die Zahl der Menschen in diesem Jahr die Schwelle von 6,9 Milliarden erreichen - ein Ende der Vermehrung ist nicht in Sicht. Auch die Liste der gescheiterten Klimakonferenzen - zuletzt im Dezember vergangenen Jahres in Kopenhagen - lässt selbst Berufsoptimisten verzweifeln: Vor allem aufstrebende Industrienationen wie China und Indien denken offenbar nicht im Traum daran, ihre frisch erwachten Konsumwünsche zugunsten der Umwelt und des Klimas einzuschränken.

Das notwendige Wissen ist vorhanden

Dennoch teilen die meisten Wissenschaftler nicht die ungezügelte Untergangsgewissheit Fenners. Auch sein Freund und Kollege, der Immunologe Stephen Boyden, hält den Pessimismus des alten Mannes für verfrüht: "Frank könnte durchaus Recht haben", so Boyden im "Australian". "Aber viele von uns haben immer noch die Hoffnung, dass die Menschheit sich der Situation bewusst wird und die notwendigen revolutionären Veränderungen einleitet, um die ökologische Nachhaltigkeit herzustellen."

Wie Fenner sei er sich des Ernstes der Lage bewusst. "Ich akzeptiere aber nicht die Ansicht, dass es deshalb notwendigerweise zu spät ist", so Boyden. So lange es einen Hoffnungsschimmer gebe, müsse man an einer Lösung arbeiten. Das Wissen dafür sei ja vorhanden. Was fehle, sei der politische Wille, das Problem zu lösen.

 

09.08.2010, 11:01 Uhr | Gründinger, Wolfgang, t-online

 

Immer wieder treten selbst ernannte Anwälte der künftigen Generationen auf, die behaupten, ihre Politik geschehe im Zeichen der Nachhaltigkeit und im Namen kommender Generationen. Daran, dass sie diese Ansicht aber nie weiter begründen, ist zu erkennen, dass sie den moralischen Verweis auf Generationengerechtigkeit dazu nutzen, um Projekte, die aus ganz anderen Gründen gewollt sind, mit einer Legitimationsfassade zu versehen. So auch beim Sparpaket der schwarz-gelben Regierung.

Mag die rhetorische Floskel noch so oft wiederholt werden, man dürfe den künftigen Generationen keinen Schuldenberg hinterlassen – de facto bürdet der Bundeshaushalt dem nächsten Gesetzgeber trotzdem eine Rekordverschuldung von zusätzlich knapp 220 Milliarden Euro von 2010 bis 2014 auf.

Gespart wird ausgerechnet bei den sozial Schwachen

Dabei könnten Milliarden gespart werden: Allein die umweltschädlichen Subventionen werden vom Umweltbundesamt auf 48 Milliarden beziffert – da steckt mehr Potenzial drin als die mageren 2,5 Milliarden, die laut Finanzplan der Regierung gekürzt werden sollen. Auch die Subventionierung der arbeitsmarkt- und rentenpolitisch fatalen Altersteilzeit (1,5 Milliarden) wird ebenso wenig angegangen wie das familienpolitisch unwirksame, aber sündhaft teure Ehegattensplitting.

Gespart wird ausgerechnet bei den sozial Schwachen – in einer Zeit der dramatisch sich verschärfenden sozialen Ungleichheit und dem Absterben der Mittelschicht. Einige Sozialausgaben (Streichung Rentenbeitrag für ALG-II-Empfänger) schiebt der Bund einfach auf die ohnehin finanziell klammen Kommunen ab, die jetzt noch weniger Geld für Investitionen zur Verfügung haben.

Die geplante Bafög-Erhöhung wurde eingefroren, das Stipendienprogramm dagegen durchgedrückt. Und mit dem “Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ wurden den Hoteliers Steuererleichterungen von einer Milliarde Euro geschenkt. Wer dies als “sozial ausgewogen“ bezeichnet, muss viel Wagemut haben.

Künftige Generationen werden das ausbaden müssen

Gespart wird auch an der Umwelt: Das Marktanreizprogramm für Solarthermie wurde empfindlich gekürzt, das CO2-Gebäudesanierungsprogramm halbiert, die Forschungsmittel für Solarforschung gekappt. Obendrein wurde die – aus einer Umlage auf Stromverbrauch finanzierte – Einspeisevergütung für Solarenergie in einem Ausmaß gekürzt, das übers Ziel einer realitätsnahen Anpassung der Fördersätze weit hinausschießt.

Wie das alles zum Klimaschutz beitragen soll, sei dahingestellt. Die künftigen Generationen aber, in deren Namen dieser Kahlschlag betrieben wird, werden die Folgen dieser kurzsichtigen Politik ausbaden müssen, während die dafür verantwortlichen Entscheidungsträger schon längst aus dem Amt sind.

Die Einführung einer Brennelementesteuer, die endlich die steuerliche Privilegierung der Atomkraft beenden soll, gehört zu den wenigen begrüßenswerten Teilen des Finanzplans. Ob diese Steuer allerdings wirklich kommt, steht noch in den Sternen – und wird wohl im Zweifel durch eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten erkauft. Ein schlechtes Tauschgeschäft mit der Atomindustrie zu Lasten der künftigen Generationen, denen noch mehr strahlendes Erbe hinterlassen wird.

Dieses Sparpaket verschärft die soziale Spaltung und verlangt den Klimaschutz und den Ausbau erneuerbarer Energien, setzt aber da, wo es nachhaltig möglich wäre, nur selten den Rotstift an. Ob die künftigen Generationen damit wirklich einverstanden wären, ist zu bezweifeln.

Der studierte Politologe und Soziologe Wolfgang Gründinger ist Sprecher der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen. Gründinger ist Mitglied im Think Tank 30 (tt30) des Club of Rome und Autor mehrerer Bücher, zuletzt "Aufstand der Jungen – Wie wir den Krieg der Generationen vermeiden können". Er lebt in Berlin und im Internet.

 

Forscher rätseln über frühe Existenz des Homo sapiens

Von Lukas Rilke

Zahn aus der Kassem-Höhle: Gehörte er einst einem Homo sapiens?

Ist das der bislang älteste Hinweis auf die Existenz des Homo sapiens? Forscher haben in Israel Zähne gefunden, die etwa 400.000 Jahre alt sind - und damit doppelt so alt, wie bisherige Funde zum Homo sapiens.

Jerusalem - Archäologen haben in Israel möglicherweise die bislang ältesten Hinweise auf die Existenz des Homo sapiens weltweit gefunden. Bei Ausgrabungen im Landesinnern wurden etwa 400.000 Jahre alte Zähne entdeckt, die vom modernen Menschen stammen sollen, wie Forscher von der Universität Tel Aviv am Montag erklärten.

"Es ist sehr aufregend, diesen Schluss ziehen zu können", sagte der Archäologe Avi Gopher. Er betonte, dass der Fund weiter untersucht werden müsse, um die Theorie aufrecht zu erhalten.

Bisherige Funde zum Homo sapiens sind maximal halb so alt. Sollten sich die Annahmen der Wissenschaftler bestätigen, würden die Ausgrabungen "das gesamte Bild der Evolution" verändern, sagte Gopher. Nach geltender Wissenschaftstheorie stammt der Homo sapiens aus Afrika.

luk/dapd

 

Sonneneruption: "Katrina" aus dem All

T-online.de, 22.02.2011, 21:01 Uhr | von Georg Dahm

 

Forscher befürchten eine gewaltige Sonneneruption (Foto: NASA)

Es wird stürmisch im Weltraum: Die Sonne nähert sich der aktivsten Phase ihres Elf-Jahres-Zyklus. Forscher befürchten eine gewaltige Eruption, die Satelliten, Datenleitungen und Stromnetze dahinraffen könnte.

Viel drastischer kann man in den USA vor einer Naturkatastrophe kaum warnen: Was der Erde derzeit aus dem All drohe, haben Forscher gerade auf der weltweit wichtigsten Wissenschaftlertagung erklärt, sei so zerstörerisch wie der Hurrikan "Katrina", der 2005 den Süden der hilflosen Nation verwüstete - aber im globalen Maßstab.

Schaden von 2000 Mrd. befürchtet

Kommunikations- und GPS-Satelliten, Stromnetze, der Flugverkehr, alles könnte zusammenbrechen, wenn ein besonders starker Sonnenwind die Erde trifft. Den weltweiten Schaden schätzt die US-Regierung auf 2000 Mrd. Dollar.

Dass elektromagnetische Strahlung von der Sonne eine Gefahr für die empfindliche Technik auf der Erde und in ihrer Umlaufbahn darstellt, ist bekannt - doch zuletzt blieb der Stern relativ ruhig. Jetzt aber bewegt er sich auf den Höhepunkt des Aktivitätszyklus zu, den er alle elf Jahre durchläuft. 2013, so die Schätzung, ist es so weit. "Ein Großteil unserer Technik ist viel empfindlicher als vor zehn Jahren", sagt Jane Lubchenco, Chefin der US-Meeres- und Atmosphärenbehörde NOAA, die auch das Weltraumwetter beobachtet. "Unsere Parole muss lauten: Vorhersagen und vorbereiten."

Die sogenannte Valentinstag-Eruption ist nach Angaben der NASA die stärkste seit mehr als vier Jahren.

Eruption kaum vorherzusagen

Mit der Vorhersage aber sieht es schlecht aus - obwohl Wissenschaftler die Sonne so genau im Blick haben wie noch nie. Teleskope, Teilchendetektoren, Satelliten und Raumsonden wie das Observatorium Soho liefern eine Fülle von Daten. Ein Großteil der Forschung besteht jedoch aus der Analyse von Ausbrüchen, die schon stattgefunden haben - Prognosen, ob sich in einem Sonnenfleck eine Eruption zusammenbraut, sind nur einen Tag im Voraus möglich. "Wir können das mit einer Wahrscheinlichkeit von zehn bis 50 Prozent vorhersagen", sagt Rainer Hippler von der Universität Greifswald, die zusammen mit der Raumfahrtbehörde DLR die Weltraumwettervorhersage besorgt.

Auf bessere Prognosen hofft auch Juha-Pekka Luntama. Der Finne baut für die europäische Weltraumbehörde ESA ein Frühwarnsystem auf. Forschungszentren aus ganz Europa speisen ihre Daten in sein System ein. Es soll Informationen für verschiedene Abnehmer bereitstellen, darunter Fluglinien, Stromnetz- und Satellitenbetreiber.

"Wir glauben nicht an die Katastrophe"

Den großen 2000-Mrd.-Dollar-Crash erwartet Luntama nicht: "Wir glauben nicht an die Katastrophe. Vieles lässt sich durch Technik und gute Vorbereitung vermeiden." Sein Heimatland hat die Stromnetze vorsorglich schon mal sonnensturmfest gemacht.

Diagnose: Mensch

t-online.de,  Von Jost Kaiser, The European

 

Der Mensch als Hautkrankheit der Erde - wie geht man mit solch einer Diagnose um?

Der Papst führt bekanntlich einen Krieg gegen den „Relativismus“ und bietet, wie sollte er anders, als Immunisierung den unhinterfragbaren und unantastbaren Gott und als dessen irdische Vorfeldorganisation die katholische Kirche an. In den westlichen Gesellschaften mit mäßigem Erfolg. Die Mühlen der Säkularisierung mahlen einfach weiter.

Doch wer meint, mit dem Erkalten der christlichen Religionen – auch kurzzeitig aufkommende modische Hinwendungen, etwa zum Katholizismus bestätigen dessen Niedergang –, sei auch die Sehnsucht nach dem Absoluten geschwunden, der irrt.

Es hat sich im gesellschaftlichen Unterbewusstsein bestimmter Milieus eine Idee von Exzess und dessen Bestrafung etabliert, die dem Katholizismus ähnlich ist, aber einer anderen absoluten Instanz Herrschaft über Leben und Tod zugesteht: „Die Natur“ hat den strafenden Gott abgelöst.

Mutter Natur ist sauer

Sicherlich hat die Idee, dass wir durch unseren Lebensstil in hoch industrialisierten Ländern nicht mehr „im Einklang mit der Natur“ leben und „die Natur“ sich rächt, ihren Ausgangspunkt in der Öko-Bewegung der Achtzigerjahre. Aber sie hat sich tief festgesetzt, sie ist Teil der Populärkultur: Fast alle Katastrophenfilme spielen mit dieser Idee, die filmische Zerstörung der hochgezüchteten Megastädte sehen wir mit einer Mischung aus Lust und Schrecken. Es ist ein seltsames Sündenbewusstsein vorhanden: Wir leben, wie wir leben, aber ab und zu werden wir dafür bestraft.

Nach diesem Schema kommt auch jetzt angesichts der japanischen Katastrophe bei einigen Blog-Kommentaren fast schon eine Apokalypsesehnsucht auf, ein seltsamer Unterton, in dem insgeheim bejaht wird, dass eine hoch industrialisierte Nation wie Japan am Ende mit der ganzen menschengemachten Technologie das Absolute, „die Natur“ nicht hat aufhalten können. Wenigstens eine Sicherheit: es gibt keine. Wir sind Spielbälle, nicht handelnde Subjekte – einige scheint das zu beruhigen.

Die Variante dieser Idee, nämlich dass der sich selbst ermächtigende Mensch mit seiner Zivilisation das eigentliche Problem ist, hat sich ebenfalls in der Populärkultur und der Kunst ausgebreitet. Am Berliner S-Bahnhof Savignyplatz befindet sich eine Kunstinstallation aus den Achtzigerjahren, die den Raubbau an der Natur beklagt. Motto: „Wir sind die Hautkrankheit der Erde.“

Reinigendes Gewitter für die Menschheit

Der Mensch als Krankheit. Nun, Krankheiten müssen bekämpft, ja ausgerottet werden: Muss der Mensch sich selbst bekämpfen? Wenn die Natur das Gesetz, das Absolute ist, wo beginnt dann das „Unnatürliche“? Sind nicht Städte an sich, ja die Zivilisation, „unnatürlich“?

Aber die Natur ist auch ein Lehrmeister, so denkt sich das der Hobby-Naturtheoretiker Herbert Grönemeyer. Wenn wir nur die Lektionen, die uns „die Natur“ erteilt, annehmen, wird’s uns allen hinterher besser gehen. Natürlich muss als Erstes – wie immer – der Kapitalismus dran glauben, der größte Sündenfall überhaupt:

„Die Natur nimmt das Heft in die Hand. Schlägt beinhart zurück. Schickt die Geldgier in Katastrophen. Zwingt uns zu unserem Glück.“

So textet der sogenannte Herbie im Lied „Chaos“, das er wohl als eine Art reinigendes Gewitter für die gesamte Menschheit herbeisehnt.

Das werden die Japaner beglückt zur Kenntnis nehmen: bauen Atomkraftwerke, neben dem Kapitalismus der zweite große zivilisatorische Sündenfall für die singende und bildhauernde Sozialdemokratie, einfach ans Meer. Aber die Natur wird jetzt die Japaner und dann auch uns zu unserem Glück zwingen.

Die Apokalypse – sie ist einfach nicht totzukriegen. Darüber nachzudenken, was uns die Natur wohl sagen will, ist vor allem Hobby von Leuten, die sonst keinen mehr haben, mit dem sie sprechen können.

Gefahr für die Welternährung

Von Blüten und Bienentod

Von "National Geographic"-Autorin Jennifer S. Holland

Mark W. Moffett/ National Geographic

Bienen und andere Insekten sind unverzichtbar, um den Hunger der wachsenden Weltbevölkerung zu stillen. Trotz des technischen Fortschritts hängt die Landwirtschaft von den Bestäubern ab. Doch Monokulturen, Parasiten und Pflanzenschutzmittel setzen den Tieren zu.

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Von diesen makellosen Gewächsen erntet die Firma Eurofresh jedes Jahr rund 60.000 Tonnen Tomaten. Ihre Stengel wachsen aus Kokosfaserblöcken einem verglasten Himmel entgegen. In dieser hochtechnisierten Umwelt ist - beinahe unwirklich - ein anhaltendes Summen zu hören: an die tausend Hummeln bei der Arbeit.

Die meisten Blütenpflanzen sind für ihre Fortpflanzung auf Boten angewiesen, die den Pollen zwischen männlichen und weiblichen Blütenteilen übertragen. Manche brauchen noch zusätzliche Anreize, bevor sie ihren Goldstaub abgeben. Die Tomatenblüte zum Beispiel muss kräftig geschüttelt werden.

Die Züchter haben es mit Rütteltischen probiert, mit Gebläsen und Knallgeräuschen, sogar mit Vibratoren, die an jede einzelne Blütentraube gehalten wurden. Und was hat sich durchgesetzt? Die Hummel. Beim Fressen an einer Tomatenblüte zittert sie so heftig, dass eine Wolke Pollenkörner freigesetzt wird. Der Pollen trifft auf die Narbe (den Empfängnispunkt des weiblichen Blütenorgans), und mancher bleibt dabei am behaarten Körper der Hummel hängen. Anschließend trägt das Insekt den Staub zur nächsten Blüte. Dass die Natur diese Aufgabe immer noch am besten erledigt, ist eigentlich kein Wunder. Weniger bekannt ist, wie viele verschiedene Tiere den Pflanzen als Befruchtungshelfer dienen: Es sind mehr als 200.000 Arten.

Die ersten Bestäuber waren Fliegen und Käfer. Sie erfüllten die Aufgabe schon, als sich die Blütenpflanzen vor 130 Millionen Jahren aus einfach gebauten Gewächsen entwickelten. Dann kamen die Bienen und Hummeln - etwa 20.000 Arten kennen die Experten heute. Andere bestäubende Insekten sind Schmetterlinge, Wespen, Ameisen und Mücken. Aber auch Vögel wie die Kolibris sind Pollenträger.

Die Evolution der Blütenpflanzen ist von der ihrer Bestäuber nicht zu trennen. So wie die Pflanzenorgane, so sind auch die Transportsysteme der Tiere, die den Pollen aufnehmen, von großartiger Vielfalt: das Spektrum reicht von Röhren und Rinnen bis zu Lappen, Bürsten und Stacheln. Für Monokulturen und die auf Mega-Erträge programmierte moderne Landwirtschaft ist diese Vielfalt allerdings wenig geeignet.

Honigbienen fliegen nahezu alle Nutzpflanzen an

"Früher, als die landwirtschaftlichen Betriebe nicht so groß waren, brauchten wir uns um die Bestäubung nicht extra zu kümmern", erklärt die Biologin Claire Kremen von der Universität Berkeley in Kalifornien. "In der vielgestaltigen Landschaft gab es überall geeignete Bestäuber. Heute, in einer Zeit der Monokulturen, muss man Heerscharen von Insekten eigens heranschaffen, damit die Sache klappt." Mindestens hundert kommerziell angebaute Nutzpflanzen werden heute fast ausschließlich von gemieteten Völkern der Europäischen Honigbiene Apis mellifera bestäubt. Andere Bienenarten befruchten bestimmte Feldfrüchte pro Kopf zwar fünf- bis zehnmal effizienter. Die Völker der Honigbienen sind aber größer, sie fliegen weitere Strecken, und sie vertragen Bewirtschaftung und Transport besser als die meisten anderen Insekten. Außerdem sind sie nicht wählerisch: Unsere Honigbienen fliegen nahezu alle Nutzpflanzen an, man kann sie also vielfältig einsetzen.

Die industrielle Landwirtschaft könnte das System überfordern. Seit Honigbienen künstlich gehalten werden, mehren sich bei ihnen Krankheiten und Parasiten. Im Jahr 2006 kam es zu einem Massensterben. In den USA und einigen anderen Ländern verendeten die Bienen während des Winters in riesiger Zahl. Manche Züchter hatten den Verlust von fast 90 Prozent ihrer Bienenvölker zu beklagen. Das rätselhafte Sterben hat inzwischen zwar einen Namen: CCD (Colony Collapse Disorder - "Zusammenbruch der Kolonien"), aber die Ursache liegt nach wie vor im Dunkeln.

Nicht nur den von Züchtern gehaltenen Bienen geht es schlecht. Gleiches gilt für die wilden Bestäuber, deren Tätigkeit allein in den USA auf einen materiellen Wert von drei Milliarden Dollar jährlich geschätzt wird.

Um die Umweltverhältnisse für Biene und Co zu verbessern, sollte die Landwirtschaft weniger Chemie einsetzen, fordert der amerikanische Insektenforscher Stephen Buchmann: Nur gesunde Tiere mit einem starken Immunsystem könnten Krankheitserreger abwehren.

Eine andere Bedrohung ist der Verlust artenreicher Lebensräume für Bestäuber. Die Biologin Claire Kremen aus Berkeley ermuntert die Bauern deshalb, die Pflanzenwelt rund um ihre Nutzflächen zu pflegen. "Den Hof kann man nicht verlegen", sagt sie, "aber man kann entlang der Straßen und Wege für größere Artenvielfalt sorgen." Auch durch die Anlage von Hecken und von Beeten mit Wildblumen, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen.

Dieser Artikel ist im National Geographic Deutschland, Ausgabe März 2011 erschienen.

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